Berliner Tageszeitung - G7-Agrarministertreffen bemüht sich um Hilfe für Ukraine bei Getreideexporten

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G7-Agrarministertreffen bemüht sich um Hilfe für Ukraine bei Getreideexporten




G7-Agrarministertreffen bemüht sich um Hilfe für Ukraine bei Getreideexporten
G7-Agrarministertreffen bemüht sich um Hilfe für Ukraine bei Getreideexporten / Foto: © AFP

Angesichts der Getreidekrise in der Ukraine haben sich die Bemühungen der G7-Staaten am Freitag auf Wege konzentriert, die in dem Kriegsland feststeckenden Lieferungen zu exportieren. "Wir brauchen das Getreide auf dem Weltmarkt und die Ukraine braucht die Silos für die kommende Ernte", sagte Landwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) beim G7-Agrarministertreffen in Stuttgart. Sein ukrainischer Kollege Mykola Solskyi erinnerte daran, dass "alle Menschen weltweit für diesen Krieg bezahlen".

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Özdemir zollte den ukrainischen Landwirten "großen Respekt", die tagsüber kämpften und ihr Land verteidigten und nachts "säen und dafür sorgen, dass die Ernte eingeholt werden kann". Derzeit ist die Lage aber dramatisch - in der Ukraine lagern 20 Millionen Tonnen Getreide, die angesichts blockierter Lieferwege und Häfen nicht exportiert werden können. Weitere bis zu 40 Millionen Tonnen Getreide könnte die kommende Ernte bringen. Das schürt Sorgen vor einer globalen Ernährungskrise, weil das Land ein wichtiger Getreidelieferant besonders für ärmere Länder ist.

Der Ukraine-Krieg habe "gravierende Folgen für die globale Ernährungssicherung", sagte Özdemir. Daher liefen derzeit Gespräche über konkrete Hilfen. Er bezog sich auf Alternativen "über den Landweg, über die Schiene, über die Donau". Es gehe darum, so viel wie möglich von der Ernte zu retten. Gleichwohl könne nicht alles kompensiert werden, "was Russland blockiert".

Das zweitägige Treffen der Landwirtschaftsministerinnen und -minister der sieben größten Industriestaaten sowie von Vertretern der EU, der UNO und der OECD startete am Freitag in Stuttgart. Das Hauptaugenmerk lag am ersten Tag auf der Situation in der Ukraine.

Solskyi sagte, es sei, "klar, dass die Ernte in diesem Jahr viel geringer ausfallen wird als im letzten Jahr". Es gehe aber noch immer um große Mengen, die zusätzlich exportiert werden müssten. "Das wird eine Herausforderung sein, weil die Mehrheit der ukrainischen Häfen nicht funktioniert", sagte der ukrainische Minister. Er bat um Hilfe: "Im Alleingang können wir diese Aufgabe nicht lösen."

Solskyi mahnte zudem, von der Lage hingen auch die globale Situation insgesamt sowie die Verbraucherpreise ab. "Von Tag zu Tag" werde das Getreide teurer werden. Nötig sei nun, dass die Schwarzmeerhäfen entsperrt werden und es müsse nach logistischen Möglichkeiten in den baltischen Häfen geschaut werden. Dazu liefen bereits Gespräche, da die Häfen im Baltikum derzeit wegen ausbleibender Transitlieferungen aus Russland und Belarus "nicht ausgelastet sind".

Özdemir machte Russland schwere Vorwürfe. Das Land wolle nicht nur "einen Konkurrenten ausschalten", sondern führe auch einen "Wirtschaftskrieg", in dem es darum gehe, sich das Eigentum von Bäuerinnen und Bauern "einzuverleiben". Präsident Wladimir Putin setze "Hunger als Waffe" ein und das sei eine "besonders widerliche Komponente" des Krieges.

Der Außenhandelsverband BGA signalisierte seine Unterstützung der Anstrengungen, das Getreide auf alternativen Routen aus der Ukraine zu bringen, und bot Hilfe seiner Unternehmen an. "Jedes Korn hilft" im Kampf gegen eine drohende globale Hungerkrise und damit verbundene Fluchtwellen, erklärte der Verband.

Am Donnerstag hatte bereits die EU-Kommission eine Reihe von Vorschlägen zu neuen Exportwegen über den Landweg vorgelegt. Sie setzt dabei auf Lkw und Güterzüge und will unter anderem an den Grenzen das Personal zur Abfertigung verstärken. Außerdem sollen neue Lagerkapazitäten in der EU für ukrainische Agrargüter ausfindig gemacht werden.

Umweltschützer mahnten, von der G7-Runde müsse ein "deutliches Signal gegen den Welthunger" ausgehen. Die Teilnehmenden müssten "das Welternährungsprogramm finanziell deutlich stärken". Lebensmittel, etwa Pflanzenöle oder Backweizen, dürften zudem "nicht länger zu Biokraftstoff verarbeitet oder an Tiere verfüttert werden".

A. Walsh--BTZ