
Konsumstimmung der deutschen WM-Fans deutlich gestiegen

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland versetzt die Deutschen deutlich stärker in Kauflaune als die zurückliegende WM in Brasilien. Gut die Hälfte der Bundesbürger ist bereit, für Fan-Artikel in die Tasche zu greifen, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Umfrage der Universität Hohenheim hervorgeht. Im Schnitt seien die Fans bereit, 22,75 Euro für WM-Devotionalien wie Trikots, Fahnen und Co. hinzulegen. Während der Brasilien-WM 2014 waren es noch 11,26 Euro.
"Das Geld sitzt also doppelt so locker", erklärte Benjamin Zimmermann, Co-Leiter der Studie. Begehrt sind demnach vor allem Klassiker der Fan-Artikel. Ganz oben auf der Liste stehen Trikots der Nationalmannschaft, dahinter folgen Deutschlandfahnen für Hand, Haus oder Auto, Kopfbedeckungen, Bälle, Schals und Bier. Als Flop erwiesen sich laut der Umfrage hingen Produkte wie Uhren oder Bettwäsche zur WM.
Während sich die Kaufstimmung der Fans aufhellt, lohnt sich für Unternehmen das teure Engagement als WM-Sponsor indes immer weniger. "Sponsoring wird zunehmend als übertrieben wahrgenommen", erklärte Studienleiter Markus Voeth. Zudem verliere das Sponsoring an Wirkung. Erfolgreich sei hingegen das sogenannte Guerilla-Marketing: "Viele Unternehmen verzichten auf das offizielle Sponsoren-Logo und stellen die Assoziation zur WM genauso erfolgreich über Nationalfarben und Fußball-Accessoires her", erklärte Voeth.
Manche Marken würden von den Befragten sogar als offizielle WM-Sponsoren eingestuft, obwohl sie gar keine seien. Besonders deutlich sei dies im Fall des Adidas-Konkurrenten Nike, der gar kein offizielles Sponsoring betreibe. "Das liegt dann schlicht daran, dass viele Fußballer Nike-Schuhe tragen", sagte Voeth. Unternehmen müssten sich "sehr gut überlegen", ob die hohe Investition des WM-Sponsorings noch gerechtfertigt sei.
Das Interesse am Public Viewing nahm der Umfrage zufolge im Vergleich zur WM 2014 in Brasilien ab. "Ein möglicher Grund könnten Sicherheitsbedenken sein", erklärte Voeth. So habe die Bedeutung von Sicherheitskontrollen bei der öffentlichen Spiele-Übertragung in der Einschätzung der Befragten "leicht zugenommen". Favorit bleibe - wie auch schon vor vier Jahren - die Live-Berichterstattung am heimischen Fernsehgerät.
Für die WM-Studie 2018 der Universität Hohenheim wurden zwischen dem 1. und 20. Mai repräsentativ 1000 Menschen online befragt.
(A. Bogdanow--BTZ)